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So Sommer und keine Hymne

September 10, 2013

Was für ein FrühlingSommerSovielSonne,

so viel, dass in mir seit März nichts genug aufbrannte, das sich hier aufzuschreiben lohnte oder aber klein genug für Zeilen war.

Mir geht es gut. Auch wegen diesem Frühling und dem Sommer. Sagt auch die Statistik:  Tageslicht/Sonnenlicht tut Depressiven gut.

Aber ich hatte Geburtstag und es gab dieses Jahr keine Hymne.

Nicht, dass ich nicht gesucht hätte… Aber es gab kein Lied, das sich so allumfassend um mein Herz schloss, das ich es Hymne nennen könnte.

Was es gab, waren Wegbegleiter. Viele…

Alte Bekannte: Niemals sich ohne Madonna vom Boden aufkratzen,  The Cure begleitete mich verliebt, Cohen traf mich ins Herz, Nirvana ließ mich zweifeln, die Ärzte pfeifen, Elton John (als er jung war) und die Stones (auch jünger) schwärmen und so viel mehr…

Und auch viele neue Lieder. Deutsche SongwriterInnen, die mich mit ihrer Wortundsaitenwahl berührten und begleiteten.

Aber keine Hymne.

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle vier Lieder präsentieren, die in einer der folgenden Kategorien gewonnen haben:

1. In diesem Jahr erstmals gehört

2. gesummt beim duschen

3. summen beim arbeiten und brummt im Bauch

4. Beim laut hören heulend in das Kochlöffel-Mikro singen

Und Nu 1.Video:

Und dann Video 2: 

Muss auch Video 3:

Zum Schluss Video 4: 

 

Der Herbst wird kommen. Lasst uns orange und rote Blätter zählen.

 

 

 

Hinweis auf ARD-Reportage: “Wege aus der Depression”

Februar 24, 2013

Als ich noch akut erkrankt war, konnte ich solche Berichte nur schwer ertragen. (Deswegen gilt auch für den folgenden Film und Blog-Eintrag eine Trigger-Warnung).

Heute bin ich gesund und kann aktiv in diesem Thema unterwegs sein.

Die Reportage , die derzeit in der ARD Mediathek zu finden ist, kann ich empfehlen.

Es wird über ein neues Verfahren (Gehirn-OP) berichtet, das ich noch nicht kannte. Das ist vielleicht auch für andere neu.

Die im Bericht gezeigte aktuelle Stress-Forschung in Bezug auf Depressionen und auch die Haltung der Pharmaindustrie werden einige bereits kennen. Ich finde es dennoch gut, dass sich das Max Planck Institut im Film noch einmal klar positioniert und deutlich sagt, dass es in Deutschland einen Markt mit Anti-Depressiva gibt und dank Patent-Rechte eine Förderung der Forschung von neuen innovativen Medikamenten schwierig ist.

Ein absoluter Dauer-Skandal, der mich jetzt bereits seit meiner ersten Episode vor 7Jahren begleitet, ist der Mangel an ambulanten Psychotherapie-Plätzen.

Depressive Menschen müssen in der Regel ein halbes Jahr oder noch länger warten bis sie einen 1.Termin bei einer/einem Therapeutin/Therapeuten mit Kassenzulassung erhalten.

Das absolut fahrlässige Problem ist, dass jemand, der akut schwer depressiv ist und unter Suizid-Gedanken leidet, kein halbes Jahr hat.

Menschen, die akut Suizidgefährdet sind werden, falls die Gefährdung anderen bekannt ist, in stationäre Obhut genommen. Sprich, auf eine ‘geschütze’ Station der Psychiatrie. (Auch bekannt als ‘Geschlossene’.) Aber Ziel auf so einer Station ist, im besten Fall, eine Kurzzeitintervention. Es gilt den Suizid zu verhindern. Die Depression, also die Erkrankung, die zu den Suizidgedanken führt, wird nicht behandelt oder kann zumindest nicht langfristig  behandelt werden. Wenn die akute Symptomatik abgeklungen ist, wird der Mensch entlassen. Auf eine andere (offene) Station oder nach Hause.

Eine kurzeitige (medikamentöse) Intervention der Symptome einer Depression wird nicht zu einer Genesung führen. Was bleibt dann?

Heute, dank erfolgreichem Klinik-Aufenthalt, einem sehr guten ambulanten Psychiater und einer wunderbaren Psychotherapeutin gelte ich als geheilt und kann deswegen umso lauter sagen, dass mich die derzeitige Situation in Deutschland  schrecklich wütend macht.

Mich hat  jeder Tag des Wartens auf Hilfe Kraft gekostet, die ich nicht hatte. Jeder Aufschub auf Therapie bestätigte nur meine Gewissheit hoffnungslos krank zu sein. Ich weiß, dass ich kein halbes Jahr Warten überlebt hätte. Ich weiß auch, dass es vielen anderen depressiv erkrankten Menschen genauso ging und geht.

Ich hatte Glück. Meine Wartezeit begrenzte sich. Ich fand die professionelle und kompetente Hilfe relativ schnell. Aber das ist leider eine Ausnahme und ändert nichts an der traurigen Regel.

Fazit für mich bleibt, dass  die Krankheit Depression tödlich enden kann. Dennoch ist es eine akzeptable Praxis, Menschen mit diesem Leidensdruck mehr als ein halbes Jahr auf Hilfe warten zu lassen.

Depressionen sind heilbar. Sie müssen aber behandelt werden.

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich, eine einzelne Person dagegen tun kann. Aber ich bin unendlich froh, dass ich mittlerweile wieder so stark und gesund bin, dass ich dagegen etwas unternehmen möchte.

2012 – Die alte Tanzkarte

Dezember 31, 2012

Genau vor einem Jahr schrieb ich den Wunsch auf, dass mich das Jahr 2012 tanzen, lieben und vor allem leben lassen soll.

Zunächst: YIPPIIIEEE alles habe ich getan und tue ich noch immer. Nochmal: Yippppiieee!

(Der Jubelschrei ist ganz ironiefrei, weil alles drei wirkliche Herausforderungen waren.)

Halten wir für die medizinische Statistik fest: Mir geht es jetzt schon sehr lange gut. Ich bin (immer noch) gesund. Yippiee!

In den letzten Jahren und in diesem – auch weil ich anfing hier über die Krankheit rezidivierende depressive Störung zu schreiben – sind mir Menschen begnetet bei denen es nicht so Yipppee war und ist. Immer noch sind sie krank, die Episode hält an oder die richtige Diagnose, sowie Therapie sind noch nicht gefunden.

Das ist scheiße. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass selbst wenn man sich nichts aus diesem Feiertags-Kack-Dreck macht,  diese Tage am Ende des Jahres besonders hart sind.

Ich weiß keinen wirklichen Trost. Nichts was ich schreibe, könnte eine depressive Episode ändern oder die Krankheit heilen. Es geht nur ums Weitermachen, Weiterversuchen, Weiteraushalten. Das weiß ich.

Ich kann nur schreiben, was mir half. Besonders an solchen Tagen.

Lass Mensch rein.

Nur eine oder einen einzigen Menschen. Lass ihn rein in dein Woauchimmer. Ihr musst nicht reden oder irgendetwas tun. Es ist gut, wenn dieser Mensch einfach da ist.

Ich habe diese Menschen meine Hoffnungs-Eskorte genannt. Diese Menschen hatten zwar auch keine Ahnung, konnten mich nicht gesund machen oder etwas ändern, aber sie waren naiv  oder gesund genug, um an ein Happy End zu glauben. Lass diese Menschen rein und lass es zu, dass sie Dich tragen. Durch diese Zeit und durch diese Episode.

Es geht vorbei. Es wird. Das tut es immer.

 

 

 

 

P.S.: Liebstes 2013, diesmal will ich tanzen, lieben, leben und hüpfen.

Herbstlicher Vers

Oktober 4, 2012

Nun schickt der Herr das Leuchten in die Wälder.

Grellbunte Brände lodert jedes Blatt.

Wie welkt das Herz dem wandermüden Fremden,

Der nur die Einsamkeit zur Heimat hat …

 

Schon fegt der Sturm den Sommer in die Gosse.

Im Park der Ahornbaum schreit blutigrot.

Der Regen weint die immergleichen Tropfen,

Und auf den Wiesen riecht es morsch nach Tod.

 

Da überfällt den Wandrer banges Schweigen.

Und tiefes Weh um Schönheit, die verdirbt.

Herr, nimm mich fort aus diesem letzten Glühen

Und laß mich sterben, eh mein Sommer stirbt.

(Mascha Kaléko)

 

Familiäre Ergänzung…

September 16, 2012

(zum letzten Artikel.)

 

Von Frau XYZ und der Familie…

September 15, 2012

Frau XYZ arbeitet in der Personalabteilung. Eine klassische Verwaltungstätigkeit. Statistiken und Pläne. Sie arbeitet ganz allein, nur manchmal ein Meeting mit dem Verwaltungschef.

Gestern habe ich erfahren, dass Frau XYZ Krebs hat. Sie hatte vor einigen Jahren einen Gehirntumor, der erfolgreich entfernt wurde. Nun sind Metastasen in ihren Kieferknochen entdeckt worden. Ich wollte es nicht glauben. Ich kenne Frau XYZ seit einigen Monaten und sie ist mir nie sonderlich aufgefallen. Still, grau, unscheinbar. Wie eine Maus. Frau XYZ geht an zwei Tagen in der Woche zur Bestrahlung. Die anderen drei Tage arbeitet sie. Sie könnte sich krankschreiben lassen. Aber dagegen hat sie protestiert. Sie sagt, sie möchte, nein sie muss arbeiten gehen, weil sie ansonsten eingehen würde.

Ich fragte mich warum? An der interessanten Tätigkeit kann es ja nicht liegen. Sie trägt die Arbeitsstunden in Excel-Tabellen ein, verwaltet Urlaubsanträge und Überstunden. Hat man nichts besseres zu tun, wenn einen – in jungen Jahren – der Krebs zum zweiten Mal anspringt?

Meine Kollegin sagte mir, dass Frau XYZ auch nicht zur Arbeit kommt, weil sie das so spannend findet, sondern weil sie gerne unter Menschen ist. Und wieder erschien ein riesiges Warum in Leuchtschrift über mir. Sie arbeitet nicht in einem Team und hat ihr eigenes Büro. Sie hat überhaupt nicht mit Menschen zu tun! Meinen Einwand wurde von meiner Kollegin bejaht und mit: “Aber es gibt die Mittagspausen und da essen wir doch alle zusammen.” vom Schreibtisch gewischt. Eine Stunde Mittagspause. Belangloses Gerede über Urlaube und Lokal-Themen. Smalltalk. Das ist der Grund warum man sich zur Arbeit schleppt?

Aber was ist mit ihrer Familie oder ihren Freunden? sprudelte es aus meinem Mund hinaus. Sie ist krank. Sie braucht Unterstützung, will sie da nicht lieber mit ihnen zusammen sein? fragte ich meine Kollegin.”Ach Süße. Sie ist allein. Sie hat niemanden.” “Noch nicht mal Familie?” fragte ich, frei nach dem Motto: Einmal naiv, immer naiv. “Doch. Aber das sind, meiner Meinung nach, alles egoistische Arschlöcher. Die feiern noch nicht mal Geburtstag zusammen. GEBURTSTAG!” lautet die prompte Antwort meiner Kollegin.

Ein tiefes Mitgefühl für Frau XYZ erfasste mich. Was für eine scheiße. Krebs! Alleine! Und nur DIESE Kollegen sind dein Highlight des Tages? Wie ungerecht! Da überlebst Du den Krebs, musst noch einmal ran und kriegst noch nicht mal eine Torte!

Ich stamme aus einer großen Familie. Und auch jetzt lebe ich in einer großen Familie. Wir sind ein Clan. Wir sind viele. Wir sind schrecklich, laut, hysterisch, grausam, unerträglich, schamlos, verletzend, übergriffig, einnehmend und gnadenlos.

Ich habe meine Eltern und Großeltern, meine Geschwister, meine Tanten und Onkel und jedeN, der irgendwie genetisch mit mir verwurzelt ist schon verflucht und gesteinigt. Ich habe mich jahrelang an ihnen und meiner traumatischen Kindheit abgearbeitet und werde weiter arbeiten. Ich habe gekämpft und gehasst. Habe sie verstossen, ignoriert und verleumdet.

Ich habe einen hohen Preis für diesen Clan, meinen Stamm, gezahlt und zahle noch heute. Ich war und werde nie allein sein.

Und das ist es. Der Unterschied.

Meine Familie ist – in ihrer krankhaft neurotischen und grenzüberschreitenden Art – für mich da. Immer.

Meine Familie ist groß, sodass schreckliche Krankheiten mittlerweile zum Familienbuissness gehören. Krebs. Allein in den letzten 6 Jahren sind zwei sind daran gestorben. Drei pokern gerade mit ihm ums Weiterleben. Demenz und Alzheimer. Wir sind dabei. Mehrfachbehinderungen, Unfälle und danach Lähmungen, Alkoholismus, Depressionen und diverse andere psychische Erkrankungen und am schlimmsten, kranke Kinder und Babys, die es nicht schafften. Alles haben wir erlebt. Wir.

JedeR, dieser genetischen Verbindung weiß, dass ein Anruf genügt und irgendjemandE aus diesem riesigen System wird sich in Bewegung setzen. Wird da sein. Egal wo ‘da’ ist. Egal, wie schlimm ‘da’ ist.

Ja, das mag so nach einer kitschigen, verglorifizierten Heldenverehrung des Konstrukts Familie klingen. Ist es aber nicht. Wie gesagt, an den meisten Tagen im Jahr wünsche ich dem Großteil meiner Familie die Pest an den Hals. Ich rede auch, schon aus Prinzip, mit den wenigsten. Ich lade sie, außer einer einzige Schwester, nicht zu meinem Geburtstag ein. Meine Familie ist vollkommen gestört, sie würden mich und sich selbst blamieren. Und nicht blamieren auf lustige Weise, sondern auf schamhafte, demütigende und grausame Weise.

Ich wüsste gar nicht, was ich mit ihnen reden sollte.

Aber, wenn ich sie bräuchte, wenn ich sie wirklich bräuchte, weil ich zum Beispiel am Arsch bin, so richtig fett in der Scheiße stecken würde, dann wären sie da. Alle.

Tja, aber was nutzt das, wenn jemand zwar da, aber dafür ein Riesenarschloch ist?

Nichts. Das war im letzten Jahrzehnt meine Antwort. Lieber allein und einsam sterben, als mit dieser Familie. So habe ich gedacht und auch gelebt.

Heute sehe ich das anders. Von allein und einsam kann man leicht reden, wenn man eben nicht allein und nicht einsam ist. Von sterben kann man sprechen, wenn man sich unsterblich fühlt. Frau XYZ ist allein, ist einsam und wird vielleicht sterben. Sie redet nicht. Auch nicht darüber.

Ich habe Menschen am Leben verzweifeln sehen, ich habe sie kämpfen und ich habe sie sterben gesehen. Ich habe gesehen, dass eine Hand, die eine andere hält, dass eine Geste, ein Lächeln, ein Witz und sogar ein Streit den Unterschied macht.

Leben, leiden und sterben. Das tun wir alle. Aber es ist nicht egal, ob wir es alleine tun.

Die Menschen in meiner Familie sind bekloppt, bescheuert und krank. Ich mag die meisten noch nicht einmal . Aber ich liebe sie. Ich liebe jedeN einzelnen. Ich kann sie fühlen. Wie ein riesiges Mosaik, dessen einzelne Steine manchmal ganz besonders glitzern und dessen Gesamterscheinung nicht zu übersehen ist.

Ich weiß, dass niemand in meinem großen Clan, auch nicht das größte Arschloch von allen, alleine sterben wird. Sie werden alle da sein. Sie werden seine Sachen regeln. Sie werden ihn versorgen. Sie werden seine Hand halten. Bis zum Ende. Dann werden sie den Sarg tragen. Sie werden Lieder singen. Ihn verfluchen und Vodka trinken. Sie werden da sein.

Ich werde da sein. Bei meiner Familie.

Das ist der Unterschied.

 

Leben. Weiter. Manchmal nur so.

September 4, 2012

Und mit diesem Lied vielleicht ein wenig pfeifend.

Allein wegen der Zeile: “Step out of  your Comfort-Zone”  werden alle TherapeutInnen Herzen höher schlagen. Und meines auch.

 

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